
15 October 2012
Alfons Dornauer Interview
Die jungen wilden รผbernehmen im Klettern immer mehr das Steuer. Ob Ondra, Oddo, Tito Traversa oder wie sie sonst noch so alle heissen. Sie alle klettern in bereits jungen Jahren locker das, was viele von uns als Lebensziel definieren wรผrden.
Die รsterreische Szene ist vorallem im Wettkampf stark vertreten und profitiert hier von einer sehr guten Jugendarbeit. Doch auch abseits des Plastikzirkus gibt es einen haufen junger, starker Kletterter. Einer davon ist Alfons Dornauer. Alfons hat das Klettern aber nicht in der Halle, sondern klassisch, am Fels gelernt. Sein Vater lies ihn die ersten Versuche am Felsen machen. Somit reiht sich Alfons wunderbar in die oben genannte Liste junger wilder ein, die ihre ersten Erfolge am Fels feiern. Das soll aber nicht heissen, dass es auch ohne Boulderhalle usw. geht. Folgendes Interview soll euch die Person Alfons etwas nรคher bringen.
F: Hi Alfons, woher kommst du und wie alt bist du?
A: Hallo, ich komme aus Finkenberg, Zillertal, Tirol und bin 18 Jahre alt.
F: Seit wann kletterst du?
A: Zum ersten Mal versucht habe ich es mit ca. 7 Jahren. Mit ca 12 Jahren habe ich mit dem Trainieren begonnen
F: Wie bist du zum klettern gekommen? Wer oder was war der Auslรถser?
A: Angefangen hat alles am Felsen. Zum Klettern bin ich eigentlich durch meinen Vater gekommen, der auch heute noch viel in den Bergen unterwegs ist. Er hat mich frรผher oft in die Berge, in leichte alpine Routen, sowie zum Sportklettern mitgenommen. Spรคter haben mich dann oft einige Locals vom Zillertal an den Felsen mitgenommen, seitdem habe ich dann auch mit dem regelmรครigen Training, sowohl am Felsen als auch in der Halle, begonnen.
F: Wie hat sich das Klettern fรผr dich entwickelt? Musstest du viel trainieren oder kam alles eher natรผrlich?
A: Es war sicherlich mehr oder weniger ein natรผrlicher Prozess. Ich hatte immer einige Locals vom Zillertal als Vorbild. Es machte mir das Zuschauen oft mehr Spaร, als das Klettern selbst. Ich habe immer versucht, etwas von ihnen zu lernen. Von da an wusste ich, dass ich auch mal so gut klettern will. Als ich mit 13 Jahren meine ersten Touren so im 7c-8a- Bereich kletterte, begeisterte mich diese Sportart immer mehr und ich wollte einfach jeden Tag klettern gehen (falls es die Haut zulieร), egal ob in der Halle oder am Felsen. Natรผrlich lieber in der Natur.
F: Was reizt dich am klettern?
A: Die Vielseitigkeit. Die vielen verschiedenen ยDisziplinenย und die Vielseitigkeit der Bewegungen. Vor allem das Klettern am Fels, ist das, was mich am meisten reizt. Mich mit meinen Kollegen an einem schweren Projekte zu versuchen, sich gegenseitig zu pushen und einfach Spaร zu haben. Am Abend ein wohlverdientes Feierabendbier geniesen (oder auch 2) und der Tag ist gerettet. Vor allem auch das klettern in vielenrschiedenen Gebieten (verschiedener Fels), ist das, was die Vielseitigkeit meiner Meinung nach beim Klettern enorm steigert.
F: Gehst du auch ans Plastik? Wie siehts mit Wettkรคmpfen aus?
A: Bis Dato bin ich eigentlich so viel wie mรถglich am Felsen geklettert, das soll auch weiterhin so bleiben. Natรผrlich gehe ich auch zum regelmรครigen Training in die Halle, vor allem im Winter und nach der Schule, wo die Zeit fรผr drauรen zu kurz wird. Meistens fรผr ca 2-3 Stunden mit meinen Kollegen. Da trainieren wir entweder am Campusboard, im Boulderraum oder an der Vorstiegswand, also nicht nach Plan/System. Im Frรผhjahr mรถchte ich in den Wettkampfzirkus hineinschnuppern, ich habe zwar bereits an ein paar Wettkรคmpfen teilgenommen, war jedoch nur zum Spaร. Deshalb mรถchte ich mein Training fรผr diesen Winter etwas mehr spezialisieren bzw. mich spezifischer darauf vorbereiten und meine Schwรคchen zu minimieren. Dann wird man sehen ob mir das Wettkampfgeschehen zu spricht, bzw. taugt oder auch nicht.
F: Du bist stark beim Sportklettern und auch beim Bouldern. Bist du lieber mit Seil oder Crashpad unterwegs?
A: Im Grunde taugt mir beides extrem gut. Die Mischung ist meiner Meinung nach das, was es beim Klettern ausmacht. Um beim Sportklettern ein hohes Level zu erreichen, ist die Maximalkraft ein bedeutender Faktor, vor allem bei dem Style der Touren, wie sie im Zillertal vorkommen. So richtige Ausdauerhรคmmer wird man im Zillertal nicht finden,eher maximalkrรคftige Routen (ein paar schwere Zรผge, Rastposition,ย
). Wenn ich mich jetzt entscheiden mรผsste, wรผrde ich Routenklettern bevorzugen. Was ich nach einer lรคngeren Boulderphase vermisse, ist das Kรคmpferherz bzw. der Fight, das beim Seilklettern meiner Meinung nach mehr beansprucht wird. nn es zum Seilklettern zu kalt ist (Winter) gehe ich, wenn ich ins an den Fels gehe, bevorzugt Bouldern.
F: War 8c beim Sportklettern fรผr dich eine groรe Barriere?
A: Ich hatte bis vor kurzem relativ viel Respekt vor schweren Routen (bzw. Grade), ich dachte mir oft, das bringt nichts, wenn ich jetzt eine 8c probiere, da hab ich sowieso keine Chance. Lieber kletterte ich 3 8b`s an einem Tag, als mehr Tage in eine 8c zu investieren. Wichtig war mir, mein Tourenbรผchlein mit so vielen Touren wie mรถglich zu erweitern. Meine Kollegen mussten mich manchmal sogar zum Einstieg in eine schwere Tour zwingen. Von dieser Einstellung bin ich aber mehr und mehr abgekommen, da ich sofort erkannte, wie viel stรคrker ich durch das Arbeiten an Routen, die an mein Limit gehen, wurde. Ich bin dann meine erste 8c relativ schnell geklettert und so verlor ich immer mehr den Respekt vor zu schweren Routen. So konnte ich einige meiner wenigen 8c`s schneller klettern als so manche 8b oder 8b+. Daraus lernte ich, dass der Schwierigkeitsgrad einer Route kaum aussagekrรคftig ist.
F: Im Bouldern konntest du schon 8B ziehen. War das eine groรe Sache fรผr dich?
A: Mhmm,. Den Boulder bin ich gegen Ende meiner halbjรคhrigen Verletzungspause geklettert, das heiรt, ich war sicher nicht in Hochform, habe eigentlich auch vorher kaum trainiert. unbedingt Irgendwie konnte ich ihn innerhalb von 2 Tagen klettern. Vielleicht ist er auch nur 8a+, keine Ahnung. Die Grade bzw. das Limit beim Bouldern sind ja meiner Meinung nach immer so eine Sache. Kommen einem die Zรผge zugute, kann man extrem schnell einen schweren Boulder abzocken. Es gab aber auch schon Boulder im 7c-Bereich, wo ich mir dachte, WTF, was geht ab!!! So mancher fรผhlte sich schwerer an als der ein oder andere 8a+, den ich geklettert bin. Deshalb glaube ich, dass ich mit 8b beim Bouldern nicht am Limit angekommen bin.
F: Erzรคhl uns was รผber dein Jahr, wie ist es fรผr dich bis jetzt verlaufen?
A: Mhmmย
viel gibt es dieses Jahr nicht zu berichten, aufgrund meiner Fingerverletzung.
F: Nach deiner Verletzung bist du ja bald schon wieder stark geklettert. War es schwer fรผr dich zurรผck zur "alten Form" zu kommen oder war die Pause gar nicht so schlecht?
A: Bereits gegen Ende letzter Klettersaison, (so November) hatte ich dauernde Schmerzen beim Klettern am Mittelfinger. Ich bin dann noch bis zum ersten Wintereinbruch geklettert und habe mir dann vorgenommen, eine 3-wรถchige Pause einzulegen. Ich wollte wissen was mit meinem Finger abgeht, deshalb suchte ich einen Arzt in Innsbruck auf. Es war die Epiphysen Fuge, die den Wachstumsprozess noch nicht vollendet hatte und mich so in den halbjรคhrigen Kletterruhestand versetzte. Es waren die Monate von Jรคnner bis Mitte Juli. 4 Monate waren vergangen und ich wollte einfach wieder mit dem leichten klettern anfangen, bei dem blieb es leider nicht, die Griffe wurden nรคmlich immer kleiner, die ich unter meine Finger bekam. J Doch lang hat es nicht gedauert und so musste ich es einsehen, dass es die Pause einfach braucht, um wieder einwandfrei zu klettern. Ich habe es auch mit einer Art Therapie versucht, doch irgendwie benรถtigte ich einfach diese Ruhepause um wieder schmerzfrei klettern zu gehen. Seit Mitte Juli bin ich jetzt wieder voll am Moven, anfangs war es sehr schwierig, ich musste eingestehen, dass auch eine 6c oder 7a- Route schwer sein kann und so war es zu Beginn sehr mรผhsam, sich zu motivieren. Doch irgendwie ging dann alles sehr schnell, vom einen auf den anderen Tag. Die Motivation war zurรผck und das Klettern fรผhlte sich schon wieder viel besser an und nach 3 Wochen war ich mit meiner Form bereits wieder mehr als zufrieden. Irgendwie fรผhle ich mich jetzt stรคrker als vor der Pause, obwohl ich eigentlich im letzten halben Jahr nicht viel trainieren konnte. Es kommt mir so vor, als wรคre diese Pause nรถtig gewesen, um in naher Zukunft erfolgreich zu sein. J Ich glaube, dass diese Pause fรผr mich persรถnlich gar nicht so schlecht war. Ich sah, dass nicht immer alles nach Plan laufen kann. Erst wenn man wirklich pausieren muss, wird man meiner Meinung nach mehr oder weniger zum Nachdenken erregt, wie wertvoll es eigentlich ist, wenn man Verletzungsfrei seinen Sport ausรผben kann. Oft beobachte ich Kletterer, die sinnlos aufgrund schlechter Bedingungen herumjammern, das kann ich oft auch nicht mehr verstehen. Anstatt wenn sie versuchen wรผrden, das Beste aus der Situation zu machen. Geplant wรคre eigentlich ein Bouldertrip รผber die Sommerferien nach Sรผdafrika in die Rocklands gewesen, auch dieser war fรผr mich Geschichte. Und so war auch schon fast die Hรคlfte der Sommerferien, ohne zu klettern, vergangen. Jetzt klettere ich seit ca. 2 Monaten wieder. Derzeit ist es mir nicht so wichtig inwieweit ich meine Projekte am Felsen heuer noch abschlieรen kann, ich bin einfach froh, dass ich jetzt wieder schmerzfrei klettern kann! Mein grรถรtes Highlight bisher waren sicherlich die 2 8c`s, die ich heuer bereits klettern konnte.
F: Kannst du uns etwas รผber deine letzten schweren Routen erzรคhlen?
A: Also die sicherlich coolste Route in dieser Saison war der ยAlmrauschย Im Rofangebirge/Klobenjoch. Nicht nur die Route, sondern auch die Gegend im Rofangebirge taugt mir einfach. Die Tour ist eigentlich ziemlich kurz und (vielleicht 15m) eher maximalkrรคftig mit vielen scharfen Lรถchern. Ausbouldern musste ich die Route nicht wodurch ich mir einiges an Zeit ersparte. Ich war nรคmlich mir Gerhard Hรถrhager dort, dem Erstbegeher. (eine Legende J), der mir die Moves genauestens ansagte. Ich konnte die Route in insgesamt 7 Versuchen klettern, verteilt auf 2 Tage. Spaziergang war es jedoch keiner, es hatte auch das nรถtige Glรผck fรผr eine relativ schnelle Begehung mitgespielt!!!
Ein Highlight war auch die ยLinke Generationย am Monkey Island, Jochberg, Zillertal. Vom Style her anders als der Almrausch, geht mehr ausdauerlastig und ist eine Kombination aus einigen Routen. Sie diente optimal dem Ausdauertraining, da sich die Schlรผsselstelle erst kurz vor dem Stand befindet und man so immer relativ viel Meter klettern kann. Weiters konnte ich vor kurzem heuer auch meine bis Dato schwerste Route flashen, nรคmlich die ยBabylonย eine 8b (8a+/8b) am Berglsteiner See in Kramsach.
F: Was ist fรผr dich wichtig wenn du schwierige Routen projektierst? Gibt es da fรผr dich nur noch das Eine oder Versuchtst du mehrere Touren nebenher?
A: Nie zu lange an einer Route arbeiten. Da verlier ich die Motivation. Bisher konnte ich die Routen, die ich projektiert habe, eigentlich, bis auf Ausnahmen, relativ schnell klettern. Im Zillertal ist es leider bereits schon so, dass ich in so einigen Gebieten nur noch wenige Routen zur Auswahl habe, da bin ich bis 8b+/8c schon ziemlich viel geklettert bin. Da bleibt mir dann nichts anderes รผbrig alls die schweren Routen รผber einen lรคngeren Zeitraum zu projektieren. Routen 2-mal zu klettern, darauf hab ich eigentlich keinen Bock. Im Zillertal macht mir das lรคngere Projektieren einer Route aber eigentlich weniger aus, da die Gebiete ja im Prinzip vor meiner Haustรผr stehen. J Wenn ich in andere Gebiete Tirols fahre, habe ich auch meistens ein Projekt. Nachher klettere ich aber gerne noch andere Routen, um mich so richtig ยauszupowernย. Es kommt auch vor, dass ich an einen Tag beispielsweise nur bis 8a einsteige. Um in Projekten erfolgreich und im Kopf frei zu sein, brauch ich immer wieder mal einen kleinen Erfolg, und wenn es nur eine 8a oder leichter ist. Jahrelang an einem gleichen Projekt zu arbeiten, kann ich mir noch nicht vorstellen. Jedoch fรผr eine schwere Route etwas mehr Zeit zu investieren macht mir nichts aus.
F: Wie siehts mit Projekten aus? Hast du noch welche offen bzw. welche Routen wรผrdest du gerne noch machen wollen?
A: In den letzten Jahren bin ich ziemlich viel im Zillertal, aber auch in verschiedenen Gebieten Tirols unterwegs gewesen. (Schleierwasserfall, Nassereith, รtztalย
) Ich habe eigentlich in jedem Gebiet noch jede Menge zu tun. Im Zillertal, wie schon gesagt, ab 8c und aufwรคrts noch einiges!!! Ziel fรผr heuer noch eine 8c+, mehr will ich dazu nicht sagen.
F: Was machst du neben dem klettern noch so oder ist klettern fรผr dich Hobby Nummer 1?
A: Als Ausgleich neben dem Klettern gehe ich regelmรครig laufen, (Berglauf) was meiner Meinung nach fรผr die Ausdauer bzw. fรผr die Allgemeine Fitness sehr wichtig ist. Weiters gehe ich im Winter auch gerne Skitouren bzw. Freeriden. Klettern ist natรผrlich Hobby Nr. 1!!!
F: Gibt es Kletterer die dich inspirieren?
A: Es gibt schon Kletterer, die mich aufgrund ihrer Leistungen inspirieren.(Schubert, Fischhuber, Ondra, Sharma,ย
) Jedoch will ich immer noch das eigene ยichย bleiben. Jemanden zu kopieren finde ich SCHEIรE.
F: Was wรผrdest du Leuten raten die mit dem klettern Anfangen?
A: Nicht lange warten, einfach probieren, je frรผher, je besser!
F: Zum Abschluร noch eine Frage zum philosophieren ;-). Du bist ein Kletterer der neuen Generation. Wohin steuert deiner Meinung nach das klettern und wo siehst du die Probleme darin?
A: Durch die zunehmende Menge an Kletterer, sehe ich als grรถรtes Problem (ich nehme jetzt speziell Bezug auf das Zillertal) , dass man immer noch nicht im Stande ist, (Grundeigentรผmer, Tourismusverband,ย
) ein Konzept fรผr die Besucherlenkung umzusetzen, damit meine ich die Erstellung von Campingplรคtzen, Parkplรคtzen,ย
F: Danke Alfons fรผr das lรคssige Interview, mรถchstest du noch jemanden etwas sagen da draussen?
A: Rock on Rock!!!!
Damit es auch noch ein paar bewegte Bilder gibt:
https://vimeo.com/41662672
Hier das Video zur Begehung von der "Linken Generation".
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